Dr. Ulrich Barnickel

Donnerstag, 25. Februar, 2010

Portrait
Jede Woche neu zeigt das Kulturschaufenster, wie viele interessante Künstler es in Osthessen gibt. Diese Woche: Der Bildhauer Dr. Ulrich Barnickel.

Er gehört zu bekanntesten Bildenden Künstler der Region. Seine markanten Metall-Figuren findet man in und vor zahlreichen öffentlichen und privaten Gebäuden, wie z.B. der „Hubschrauber“, der auf der Fulda Galerie die Erinnerung an den ehemals dort gelegenen Flugplatz wach hält, den „Radfahrer“ am Beginn des Rhön-Radwanderweges in Poppenhausen, den „Flötenspieler“ vor der Landesmusikakademie Hessen in Schlitz oder sein wahrscheinlich bekanntestes Projekt in der Gegend: den „Weg der Hoffnung“ auf „Point Alpha“ zwischen Rasdorf und Geisa. Dort gestaltet Barnickel derzeit einen an den biblischen Kreuzweg angelehnten Skulpturenweg. Er besteht aus 13 großen Skulpturengruppen, die in Erinnerung an die deutsch-deutsche Teilung den Postenweg auf dem ehemaligen Todesstreifen säumen.

Natürlich ist Barnickels Kunst nicht nur in der Region zu finden. Der Künstler stellt in der ganzen Welt aus. Zentrum seines Schaffens ist jedoch sein Atelier in Schlitz. Hier fand er nach seiner Flucht aus der DDR eine neue Heimat, von der aus er seine inzwischen weit verzweigten internationalen Kontakte pflegt. Sein Studium indes absolvierte der 1955 in Weimar geborene Künstler noch im Osten. Die ‚Burg Giebichenstein’ in Halle war die einzige Studieneinrichtung für Metallplastik in der DDR. 12 Semester studierte der gelernte Schmied hier.
Die Bearbeitung Stahlblechs durch Schmieden und Schweißen als Montagekonstruktion ist bis heute die bevorzugte Arbeitstechnik von Ulrich Barnickel und prägt seine Formensprache, in der es vor allem um den Menschen geht. Dabei interessiert sich Ulrich Barnickel weniger für das wieder erkennbare Portrait, als für eine bestimmte Gestik, Charakteristik und durch eine Körpersprache ausgedrückte Menschlichkeit.
„Wer sich heute der Figur zuwendet, wird und will nichts mehr mit dem klassischen Abbild zu tun haben,“ so sein Statement. Die Nähe zum menschlichen Körper spielt daher für ihn eine gleichwertige Rolle wie architektonische Raumauffassungen von innen und außen. Auch ist es gewollt, dass der handwerkliche Arbeitsprozess selbst durch Schweißnähte, Schmiedespuren, Abrisse und Abdrücke bei der fertigen Skulptur ebenso sichtbar bleibt, wie die Emotionen.

Noch bis zum 11. April 2010 zeigt Dr. Ulrich Barnickel gemeinsam mit seinem ehemaligen Kommilitonen, dem Maler Werner Liebmann, neueste Arbeiten in der Kunststation Kleinsassen. Liebmann, der als Meisterschüler von Bernhard Heisig der Leipziger Schule zugerechnet wird, ist Prof. an der Akademie in Berlin-Weißensee und hat Deutschland bereits auf der Biennale in Venedig vertreten.

Video-Interview:

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  1. Kommen Sie aus der Region oder hat es Sie ins Fuldaer Land verschlagen? Wie kam es dazu?
    Ich bin vor 26 Jahren hergekommen, als ich aus der DDR ausgebürgert wurde.
  2. Was sind Ihre nächsten Projekte?
    Den „Weg der Hoffnung“ auf Point Alpha zu vollenden. Außerdem habe ich wieder viele Ausstellungen in diesem Jahr, z.B. gemeinsam mit Werner Liebmann in der Kunststation Kleinsassen, eine Gruppenausstellung in der Galerie des BBK in Leipzig und eine St. Augustin.
  3. Was würden Sie gern können/ noch lernen?
    Ein großes Flugzeug fliegen.
  4. Welche Eigenschaft würden Sie sich am ehesten zuordnen?
    Gradlinigkeit.
  5. Was ist Ihr Lieblings-Kunstwerk? Welcher Künstler hat Sie besonders beeinflusst?
    Die Bürger von Calais von Rodin. Die Musik von Gustav Mahler.
  6. Gibt es einen Künstler in der Region, den Sie gut finden/ bewundern/ ganz besonders schätzen/ verehren (Unzutreffendes bitte streichen)? Und warum?
    Frank Tischer finde ich ganz gut.
  7. Was sehen Sie am liebsten im Fernsehen?
    Ich schaue kein Fernsehen.
  8. Was essen Sie besonders gern? Was mögen Sie gar nicht?
    Thüringer Klöße mit Rouladen und Rotkraut/ Sushi und allgemein rohen Fisch und rohes Fleisch mag ich nicht.
  9. Was würden Sie mit einem Lottogewinn tun?
    Utopisch. Ich spiele kein Lotto.
  10. Was ist die blödeste Frage, die Ihnen jemals gestellt wurde?
    Es gibt nur blöde Antworten. Wenn eine Frage mich nicht interessiert, höre ich weg.