Dr. Gregor Stasch

Jede Woche neu zeigt das Kulturschaufenster, wie viele interessante Menschen die regionale Kulturszene bereichern. Diese Woche: Der Kunsthistoriker und Leiter des Vonderau Museums Fulda, Dr. Gregor Stasch.
Schwierig war es, an die biographischen Daten von Gregor Stasch zu kommen. Viel mehr als für seine eigene Geschichte interessiert er sich nämlich für die Stadtgeschichte Fuldas und für die Kunst- und Architekturgeschichte. Für das Vonderau Museum, dessen Leiter er ist, ist das ein Segen. Denn mit Leidenschaft und Kenntnisreichtum setzt er sich für diese Kulturstätte mitten in der Stadt ein. Umso interessanter ist es, einmal etwas über diesen rührigen Wissenschaftler zu erfahren.
Geboren wurde er 1950 in Breslau/ Polen, wo er auch aufwuchs, zur Schule ging und Betriebswirtschaft und Mathematik zu studieren begann. Bevor er es jedoch abschließen konnte, siedelte er 1972 in die Bundesrepublik über. In München, Bonn und Kiel studierte er dann Kunstgeschichte mit den Nebenfächern Christliche Archäologie und Städtebau und promovierte bei Prof. Dr. Reiner Haussherr. Seine Doktorarbeit führte ihn Ende der 70er Jahre nach Fulda, wo er zunächst freiberuflich die Grabungen im Bereich des Residenzschlosses übernahm.
Auch nachdem er seinen Doktor hatte, blieb er Fulda und beteiligte er sich von 1982 bis 1983 an der Inventarisierung der Kunstgüter der Diözese Fulda, so dass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass alles, was in Fulda wertvoll und bedeutsam ist, schon einmal durch seine Hände gegangen ist. Im September 1983 wurde er zum Wissenschaftlichen Mitarbeiter des Vonderau Museums berufen und seit 1999 ist er dessen Leiter. Als solcher hat Gregor Stasch maßgeblich die Umgestaltung und Modernisierung der Sammlung vorangetrieben, auf dass die spannende Fuldaer Geschichte anschaulicher und greifbarer im wörtlichen Sinne wird. So kann man mittlerweile innerhalb der Sammlung in einem kostbaren alten Buch blättern oder virtuell die Ratgar-Basilika, die Vorgänger-Kathedrale des heutigen Doms, entstehen lassen.
Aber nicht nur das für Fulda so wichtige Mittelalter, auch die jüngere Geschichte und die regionale Kunstszene beschäftigt Gregor Stasch, der auch Mitglied der Historischen Kommission für Hessen und 2. Vorsitzender des Fuldaer Geschichtsvereins ist. So sind im Vonderau Museum neben der historischen Dauerausstellung und der Naturkundeausstellung auch immer spannende Wechselausstellungen zu sehen. Hier ist das Themenspektrum weit gefächert. Es reicht von dem aus Fulda stammenden international renommierten Künstler Franz Erhard Walther über die Firmengeschichte einer einst sehr erfolgreichen regionalen Maskenfabrik bis zu einer historischen Ausstellung über das Freiadelige Stift Wallenstein. Dass er neben den z.T. sehr aufwändigen Vorbereitungen für die Sonderausstellungen, der Pflege der Sammlung des Vonderau Museums, der Koordination von Führungen und Sonderaktionen des Museums auch noch die meisten wissenschaftlichen Publikationen selbst schreibt, zeigt, wie sehr er sich auch über seine Pflichten hinaus für die Kultur der Region einsetzt.
Video-Interview:
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- Kommen Sie aus der Region oder hat es Sie ins Fuldaer Land verschlagen? Wie kam es dazu?
Ich stamme aus Breslau. Auf Polnisch sagt man Wroclaw dazu und kam auf Umwegen über München und Bonn nach Fulda, weil ich damals ein fuldisches Thema für meine Dissertation gewählt habe. - Was sind Ihre nächsten Projekte?
Eine Ausstellung nach der anderen und die Modernisierung der Dauerausstellung des Vonderau Museums. Damit bin ich schon ziemlich ausgebucht. Von unzähligen kleinen Projekten gar nicht zu reden. - Welche Ausstellung würden Sie gern mal realisieren?
Seit fast 20 Jahren plane und arbeite ich an einer großen Schau zu Fuldaer Fayence. Den Termin habe ich schon mehrfach intern verschoben. Ich würde sie nicht gern realisieren, sondern ich werde es tun. - Welche Ausstellung in welchem Museum/ Galerie hat Sie in der letzten Zeit beeindruckt?
Mich beeindruckt fast jede Ausstellung, die ich besuche, weil mein Augenmerk gilt den ausgestellten Exponaten. Die Präsentation mag unterschiedlich sein, ist aber für mich zweitrangig, und selbst in den Schwächen muss die ungeheure Arbeit gesehen werden, die heute notwendig ist, um große Ausstellungen realisieren zu können. - Gibt es einen Künstler in der Region, den Sie gut finden/ bewundern/ ganz besonders schätzen/ verehren (Unzutreffendes bitte streichen)? Und warum?
Ja, aber wenn ich diesen nennen würde, müsste ich auch viele anderen, die auch gut finde und schätze, nennen. Dann wäre es schon nicht nur ein Künstler. Solche Fragen würde ich auch späterer kunsthistorischer Forschung überlassen. - Was würden Sie gern können/ noch lernen?
Chinesisch, auch wenn ich sicher bin, dass ich es wegen mangelnder Sprachbegabung nie wirklich lernen kann. - Welche Eigenschaft würden Sie sich am ehesten zuordnen?
Geduld. - Was sehen Sie am liebsten im Fernsehen?
Leider besitze ich aus prinzipiellen Überlegungen keinen Fernsehapparat. - Was würden Sie mit einem Lottogewinn tun?
Ich habe noch nie im Leben Lotto gespielt. - Was ist die blödeste Frage, die ihnen jemals gestellt wurde?
Als ich vor einigen Jahren mit meiner Tochter Magdalena spazieren ging, wurde ich gefragt, ob das Mädchen meine Enkelin sei. Ich verneinte mit der Antwort, dass sie meine Schwester sei.






















